Fazil Say begeistert mit der Camerata Salzburg

Beim Start in die 69. Saison wurde erstmals auf Bechstein gespielt.

3. Oktober 2021

Die Camerata Salzburg zählt im 70. Jahr ihres Bestehens zu den besten Kammerorchestern der Welt. Das von Bernhard Paumgartner gegründete, wesentlich von Sándor Végh und später Roger Norrington geprägte Orchester wirft bis heute ein Augenmerkt auf die Wiener Klassik. Zur Saisoneröffnung 2021 standen also folgerichtig Mozarts C-Dur-Klavierkonzert KV 467 und Haydns Sinfonie „Mit dem Paukenwirbel“ HOB. I:103 auf dem Programm.

Seit einigen Jahren arbeitet das Kammerorchester ohne Chefdirigenten, so dass die beiden Konzertmeister gleich auch die musikalische Leitung übernehmen. An diesem Abend saß Gregory Ahss am ersten Pult, der u.a. in Moskau am Gnessin Institut studiert hatte. Und Ahss überzeugte nicht nur als ausgezeichneter Geiger, sondern animierte die Camerata zu einem höchst konzentrierten, energiegeladenen, dabei selbst in der Haydn-Sinfonie noch kammermusikalisch transparenten Spiel.

Star des Abends der 69. Saisoneröffnung war jedoch Fazil Say, der sich zuerst mit „Das verschobene Haus“ für Klavier und Streichorchester als Komponist und Pianist vorstellte. Die viersätzige „Hommage à Atatürk“ ist von einer Geschichte um den Gründer der modernen Türkei angeregt, allerdings keine Programmmusik in eigentlichem Sinne. Vielmehr geht es Say um die musikalische Transformation von Gefühlen. Dabei reicht seine stilistische Palette von ruhig-lichten Momenten bis zur aggressiven Motorik. Say schreibt eine höchst virtuose und genauso differenzierte, farbenreiche und dynamisch weite Musik, die er auf dem C. Bechstein Konzertflügel D 282 auch in allen Nuancen ausspielen konnte.

Mozarts C-Dur-Konzert hat man in der Mozart-Stadt wahrscheinlich lange nicht mehr so quicklebendig, so witzig, so inspiriert im Zusammenspiel zwischen dem Pianisten und dem Orchester, schlicht so großartig erlebt – woran auch Says verspielte, hinreißend-originelle Kadenzen ihren Anteil hatten.

(c) Erika Mayer