11.09.2023

„Musikinstrumentenbau von Weltrang“

Die C. Bechstein Pianoforte AG feiert in ihrer Manufaktur in Seifhennersdorf ihr 170-jähriges Bestehen

Mit 400 Gästen und rund 370 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern feierte die C. Bechstein Pianoforte AG jetzt in ihrer Manufaktur in Seifhennersdorf ihr 170-jähriges Bestehen. Die von Carl Bechstein am 1. Oktober 1853 in Berlin gegründete Firma zählt bis heute zu den bedeutendsten Klavierbau-Unternehmen der Welt.

Zu Beginn seiner Festrede stellte Stefan Freymuth, Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär des Berliner Unternehmens, die Frage, ob man in einer vom Krieg in der Ukraine geprägten Zeit solch ein Jubiläum überhaupt so groß feiern dürfe. Zumal C. Bechstein auch einen kleinen Standort in der Nähe von Kiew besitze, der vom Krieg unmittelbar betroffen war, wobei zum Glück kein Mitarbeiter zu Schaden gekommen sei. Die Antwort gab Stefan Freymuth selbst: „Wir haben uns entschlossen, uns nicht von einem russischen Aggressor alles verderben zu lassen.“ Bei seinem Besuch im Mai dieses Jahres in der Ukraine habe er sehen können, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei. „In Lwiw – also dem früheren Lemberg – und in Kiew gab es tatsächlich keine Nacht ohne Bombenalarm. Tagsüber und abends bis zur Sperrstunde herrschte aber auf den Straßen ein ganz anderes Bild: Die Einwohner wollten das Leben genießen und abends auf den Straßen in der Innenstadt feiern. Sie haben sich also auch nicht dem Bombendiktat Putins gebeugt.“ Bechstein habe die Ukraine mit vielen Zuwendungen unterstützt und werde das auch in Zukunft tun – „egal wie gut oder schlecht es Bechstein geht“.

Freymuth lobte anschließend die „außerordentlich gute und engagierte Mannschaft, die Bechstein-Familie“ und zählte einige Höhepunkte ihrer Arbeit auf, beispielsweise die Übernahme und Restaurierung des Ehrbar Saales in Wien, die Eröffnung einiger neuer C. Bechstein Centren, unter anderem in Wien und Manchester, den deutlichen Ausbau der Manufakturen in Seifhennersdorf und Hradec Králové sowie die geplante Eröffnung der neuen Bechstein Hall in Londons Wigmore Street im Frühjahr 2024. Freymuth fasste zusammen: „Sie erkennen, dass wir mit Zuversicht nach vorn blicken und mit Tatendrang die Zukunft gestalten wollen.“

Zu den zahlreichen Gratulanten aus aller Welt zählte Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, der betonte: „Musikinstrumentenbau hat in Sachsen eine lange Tradition. Auch die C. Bechstein Pianofortemanufaktur kann auf eine beeindruckende Entwicklung blicken. Dank des Engagements und der hohen Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden die Erkenntnisse aus Tradition, Erfahrung und neuester Forschung über Generationen hinweg weiterentwickelt. Seifhennersdorf hat sich als ein Standort des Musikinstrumentenbaus von Weltrang etabliert.“

Bereits vor der Feier wurden die Gäste aus den Bereichen Musik, Wirtschaft und Politik durch die sächsische Manufaktur geführt, die bereits jetzt als die modernste Klavier- und Flügelmanufaktur Europas gilt und in den kommenden Jahren noch deutlich ausgebaut wird. C. Bechstein investiert dafür in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen zweistelligen Millionenbetrag. „Wir erweitern hier unsere Fläche um mehr als drei Viertel unserer bisher vorhandenen Produktionsfläche“, so Stefan Freymuth. „Dieser große Neubau stellt ein starkes Bekenntnis zu unseren Mitarbeitern und zu unserem hiesigen Standort dar, zu dem Standort Seifhennersdorf, hier in Sachsen.“ 

Beim Fest demonstrierte der chinesische Pianist Haiou Zhang am C. Bechstein Konzertflügel D 282 eindrucksvoll die Qualität der in Sachsen gebauten Instrumente und riss mit Werken aus der Romantik das klavieraffine Publikum zu Jubelstürmen hin. In Zhangs Programm fanden sich auch zwei virtuose Bearbeitungen von Franz Liszt, der sich am Ende seines Lebens bei dem inzwischen international berühmten Berliner Klavierfabrikanten Carl Bechstein folgendermaßen bedankt hatte: „Eine Beurteilung Ihrer Instrumente kann nur eine vollkommene Belobigung sein. Seit 28 Jahren habe ich nun Ihre Instrumente gespielt und sie haben ihren Vorrang erhalten.“ Liszts Schüler Hans von Bülow war ein enger Freund Carl Bechsteins und brachte am 22. Januar 1857 in Berlin auch Liszts berühmte Klaviersonate in h-Moll zur Uraufführung – ein triumphaler Erfolg für den Komponisten wie für den jungen Klavierbauer.

Heute ist C. Bechstein die wohl letzte große Flügel- und Klaviermanufaktur der höchsten Kategorie in deutschen, genau genommen in Berliner Händen: Mehr als 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in den beiden Manufakturen in Seifhennersdorf und im tschechischen Hradec Králové, in der Berliner Konzernzentrale sowie in den weltweit 18 konzerneigenen C. Bechstein Centren.

„Ich habe nur das fabelhafte Glück gehabt, dass Gott an meinem Werktisch stand“, hat Carl Bechstein 1868 festgestellt. Und sein großes Erbe erfreut noch heute Tausende von Pianistinnen und Pianisten weltweit.

Die ausführliche Geschichte der C. Bechstein Pianoforte AG finden Sie hier.

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Fotos: © Hans Friedrich/C. Bechstein