08.09.2026

Ein Einstand der Extraklasse

Aurel Dawidiuk gab am Wochenende im Anneliese Brost Musikforum Ruhr sein Antrittskonzert als neuer Generalmusikdirektor und Intendant der Bochumer Symphoniker.

Aurel Dawidiuk gab am Wochenende im Anneliese Brost Musikforum Ruhr sein Antrittskonzert als neuer Generalmusikdirektor und Intendant der Bochumer Symphoniker und wurde mit ekstatischer Begeisterung und stehendem Applaus im ausverkauften Saal gefeiert. WDR 3 hat das Konzert mitgeschnitten und strahlt es am 20. November 2026 aus.

Mit Paul Hindemiths „Ragtime (wohltemperiert)“ eröffnete Dawidiuk schmissig den Abend. Große Orchesterbesetzung mit umfangreichem Schlagzeug, jazzig synkopierte Rhythmen und eine kontrapunktische Verarbeitung eines Bach-Themas, das gerade in den fugierten Passagen immer wieder die c-Moll-Fuge (BWV 847) als Ursprung humorvoll anklingen ließ - eine herausfordernde Partitur, die die Bochumer unter Dawidiuks präziser und energetischer Leitung detailliert und kraftvoll meisterten.

In wesentlich kleinerer Besetzung, geradezu kammermusikalisch fein dirigierte und spielte der Dirigent, der auch ein preisgekrönter Pianist und Organist ist, anschließend Joseph Haydns Klavierkonzert in D-Dur (Hob XVIII:11). Dawidiuk interpretiert das Werk auf dem C. Bechstein Flügel C 234 der Bochumer Symphoniker, der mit seinem singenden und transparenten Klang die beste Wahl war und sich dynamisch im großen Saal auch bestens gegenüber dem fein agierenden Orchester behaupten konnte. Dawidiuk, der zuhause auch auf seinem eigenen C. Bechstein Flügel B 212 üben kann, spielte wunderschön, meisterte mit flinken Fingern auch beeindruckend die virtuos-geläufigen Passagen und lobte nach dem Konzert den von Konzerttechniker Burkhard Loock bestens vorbereiteten Bechstein in höchsten Tönen.

Spätestens mit dem Haydn hatte Dawidiuk die Herzen der Bochumer gewonnen. Mit Johannes Brahms‘ erster Sinfonie steigerte er diese Begeisterung noch. Das bedeutende viersätzige Werk besitzt orchestrale Dichte, Größe, aber auch lyrische Passagen. Dawidiuk, der als Jugendlicher bereits von der Carl Bechstein Stiftung gefördert worden war, gelang eine emotionale wie strukturell klare Interpretation und gab den Bochumer Symphonikern viel Spielraum, um in den kammermusikalischen Passagen solistisch zu glänzen.

Herzlichen Glückwunsch an Bochum, Felix Hilse, den stellvertretenden Intendaten, und an die Bochumer Symphoniker - sie haben einen der charismatischsten jungen Dirigenten als Intendant und Generalmusikdirektor verpflichten können, der dem Ruhrgebiet sicherlich noch viele musikalische Sternstunden schenken wird!

Nach dem Konzert lud Aurel Dawidiuk das gesamte Publikum zu einem Empfang ein. Dort drückte er dann hunderte Hände mit nicht nachlassender Freundlichkeit und großer Offenheit. Aurel ist und bleibt nicht nur einer der besten, sondern auch einer der nettesten Menschen, die ich jemals kennen lernen und über viele Jahre begleiten durfte!

Fotos: Nils Ole Peters (Bochumer Symphoniker) und Gregor Willmes