09.01.2026

Zum Tod von Jonathan Powell

Jonathan Powell starb am 27. Dezember 2025 in Brighton, England. Ein herausragender Musiker hat viel zu früh die Bühne verlassen.

Hätte er nur diese eine Aufnahme geleistet, so wäre er schon ein bedeutender Pianist gewesen. Denn Jonathan Powell nahm auf sieben CDs Kaikhosru Shapurji Sorabjis „Sequentia Cyclica“ auf. In meiner Würdigung für den Preis der deutschen Schalplattenkritik schrieb ich 2020: „Die Dies Irae-Sequenz der Totenmesse hat schon viele Komponisten zu bedeutenden Werken inspiriert. Aber noch keiner schuf ein solches Opus magnum wie der exzentrische britische Komponist, Pianist und Musikkritiker Kaikhosru Shapurji Sorabji. Er schrieb für seine »Sequentia Cyclica« 27 Variationen über diesen Hymnus, die zusammen mehr als acht Stunden dauern. Eine moderne Tonsprache verbindet sich mit barocken Formen, teilweise mediativ-schlicht, dann wieder komplex und hochvirtuos. Jonathan Powell, dem Uraufführungs-Pianisten, ist 2015 diese Ersteinspielung gelungen, in der sich musikalische Größe und Transparenz mit einer gewaltigen Ausdrucksfülle perfekt mischen.“

Aber Jonathan Powell - 1969 in Lancashire geboren - war natürlich weitaus mehr als nur ein bedeutender Pianist. Er hat sich auch als Musikwissenschaftler und Komponist hervorgetan, dessen Werke von renommierten Interpreten wie der London Sinfonietta, dem Pianisten Nicolas Hodges oder dem Arditti Quartett uraufgeführt wurden.

Persönlich habe ich Jonathan Powell Anfang 2021 als ausgesprochen intelligenten und ebenso netten Menschen kennengelernt. Er nahm damals für das Label Capriccio im Großen Sendesaal des rbb mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin das 1. Klavierkonzert des von den Nationalsozialisten verfolgten Hans Winterberg auf einem C. Bechstein Konzertflügel D 282 auf. Powell war ein Freund Bechsteins und erzählte: „Ich habe schon immer gerne auf Bechstein-Klavieren gespielt, sowohl auf alten als auch auf neuen. Der erste Flügel, auf dem ich üben konnte, war ein alter Bechstein-Flügel, und etwa zu dieser Zeit - ich war etwa 14 - begann ich meine lebenslange Bekanntschaft mit der Musik Skrjabins und begann, mich mit ihr zu beschäftigen. Sein Klavier war ein Bechstein, und seine Musik auf dem entsprechenden Instrument aufzuführen, ist eine Offenbarungserfahrung.“

Jonathan Powell starb am 27. Dezember 2025 in Brighton, England. Ein herausragender Musiker hat viel zu früh die Bühne verlassen.

Text: Gregor Willmes
Fotos © Peter Meisel und C. Bechstein Archiv