András Schiff

"Der Bechstein klingt wie aus einer längst vergessenen Welt"

András Schiff

 

András Schiff, 1953 in Budapest geboren, zählt zu den erfolgreichsten Pianisten des 21. Jahrhunderts. Im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit stehen die Klavierwerke von Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, Schumann und Bartók. Seit 2004 hat András Schiff in 20 Städten sämtliche Klaviersonaten Ludwig van Beethovens aufgeführt und auf CD eingespielt. Er konzertiert regelmäßig auf einem C. Bechstein Konzertflügel, den bereits Wilhelm Backhaus genutzt hat.

Schiff ist mit vielen international bedeutenden Orchestern und Dirigenten aufgetreten; in jüngerer Zeit setzt er indes seinen Schwerpunkt auf die Interpretation der Klavierkonzerte von Bach, Beethoven und Mozart unter eigener Leitung. Zu diesem Zweck gründete er 1999 das Kammerorchester Cappella Andrea Barca, doch auch mit dem Chamber Orchestra of Europe arbeitet er eng zusammen.  

Seit früher Jugendzeit ist András Schiff überdies ein leidenschaftlicher Kammermusiker. Von 1989 bis 1998 leitete er die Musiktage Mondsee; gemeinsam mit Heinz Holliger gründete er 1995 die Ittinger Pfingstkonzerte und seit 1998 führt er im Teatro Olimpico in Vicenza die Konzertreihe „Omaggio a Palladio“ durch. András Schiff, seit 2006 Ehrenmitglied des Beethoven-Hauses Bonn, wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet: so zuletzt mit dem Robert-Schumann-Preis (2011) und 2012 mit der Goldenen Mozart-Medaille des Salzburger Mozarteums sowie dem Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Seit 2006 ediert er für den Musikverlag Henle Werke von Mozart (Klavierkonzerte) und Bach (Wohltemperiertes Klavier) in Urtextausgaben.  

Neben unzähligen CD-Aufnahmen erhielt Andras Schiff vor allem kürzlich Aufmerksamkeit für seine ungewöhnliche Einspielung von Beethovens Diabelli-Variationen: zuerst auf einem Bechstein-Flügel von 1921, dann auf einem Hammerklavier von Franz Brodmann, gebaut in Wien um 1820. Schiff sagt dazu: "Der Bechstein klingt wie aus einer längst vergessenen Welt", er sei warm und voluminös. http://(http//www.zeit.de/2013/49/andras-schiff-diabelli-variationen-beethoven

Foto © Birgitta Kowsky, KFR Wohlr

András Schiff spielt Beethoven

Es ist erstaunlich, wie modern ein Bechstein-Flügel aus dem Jahre 1921 klingen kann, wenn er in direktem Vergleich zu einem Fortepiano von Franz Brodmann (ca. 1820) steht. András Schiff führt das hier sehr eindringlich vor Ohren, da er für das Label ECM 2012 Ludwig van Beethovens Diabelli-Variationen gleich auf beiden Instrumenten aufgenommen hat.

Für Schiff ist es „schlicht eine Freude, an verschiedenen wunderschönen Instrumenten spielen zu dürfen. Zum anderen sind die Hörgewohnheiten beim Publikum (und bei der Musikkritik) nach wie vor ziemlich einseitig. Vorurteile dominieren. Neugierde fehlt.“ Schiff hat sich bewusst für ein Instrument der Beethoven-Zeit und für den Bechstein entschieden: „Der Bechstein-Flügel von 1921 repräsentiert eine längst vergessene Welt. Wilhelm Backhaus hat ihn oft gespielt und mit ihm Aufnahmen gemacht. Und es sei daran erinnert, dass Bechstein Arthur Schnabels bevorzugte Marke gewesen ist. Schnabels Klavierton – gerade bei Beethoven und Schubert – war immer mein Vorbild. Der Bechstein-Flügel hilft mir, diesem Ideal näherzukommen."

Dass András Schiffs Beethoven-Interpretationen heute einen ähnlichen Rang besitzen wie damals die Interpretationen von Backhaus und Schnabel, spiegelt sich in diesen herausragenden Aufnahmen. Und dass er uns Beethovens letzte Sonate, op. 111, auf dem Bechstein und die Bagatellen op. 126 auf dem Brodmann als Zugaben gönnt, rundet dieses „Gesamtkunstwerk“ ab.