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In der Romantik wuchs die Orchesterstärke von 30 /40 Spielern auf über einhundert Musiker an.
1853: Carl Bechstein erforscht die Geheimnisse französischer und englischer Klavierbaukunst. Sein Verständnis für die Bedürfnisse zeitgenössischer Musiker läßt in ihm den Wunsch entstehen, Flügel in einer neuen Qualität zu bauen. 1853 eröffnet er seine eigene Manufaktur in Berlin und erfüllt die Träume der Musiker durch die Entwicklung des C. Bechstein Prinzips für Ton und Technik. Das Pianoforte erlebt eine revolutionäre Perfektionierung, es kann nunmehr die ganze pianistische Vielfalt vom robusten, virtuosen bis hin zum zarten Klavierspiel darstellen. Berühmte Komponisten und Virtuosen spielen C. Bechstein.
1857: Hans von Bülow, späterer erster Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, wird Anhänger und Förderer von Bechstein.
1862: Bechstein gewinnt auf der Londoner Industrieausstellung gegen die übermächtige ausländische Konkurrenz mit der Auszeichnung: „Die Instrumente Bechsteins zeichnen sich durch eminente Frische und Freiheit des Tones, Annehmlichkeit der Spielart und Gleichheit der verschiedenen Register aus und dürften selbst der kräftigsten Behandlung Widerstand leisten.“
1870: Der Bechstein-Export wächst zwischen 1870 and 1890 außerordentlich. Ein großer Flügel kostet 3.000 Reichsmark, der Firmenumsatz beträgt 1 Million Reichsmark.
1880: In der Grünauer Straße in Berlin entsteht eine zweite Produktionsstätte. Carl Bechstein kauft eine Villa am Dämeritzsee in Erkner, die zum künstlerischen Mittelpunkt wird - ein Haus, dessen Gastfreiheit sprichwörtlich ist. Eugen d‘Albert komponiert 1883 dort sein neues h-Moll-Klavierkonzert.
1885: Gründung einer Londoner Filiale. Die Länder des Commonwealth nehmen den größten Teil des Bechstein-Exports ab, auch Queen Victoria erwirbt einen reich vergoldeten „Bechstein“. Im russischen St. Petersburg eröffnet ebenfalls eine Bechstein Filiale. Ähnlich wie der Londoner Niederlassung erging es der Pariser Filiale in 334, rue St.Honoré, die 1903 gegründet worden war. Auch sie wird im Ersten Weltkrieg enteignet.
Um die Jahrhundertwende suchen Künstler weltweit nach neuen Ausdrucksformen. Komponisten wie Arnold Schönberg experimentieren mit unorthodoxen Harmonien und Tönen. Der französische Komponist Claude Debussy sympathisiert mit asiatischer Musik und erschafft den musikalischen Impressionismus.
1892: Am 4. Oktober wird in der Linkstraße der „Bechstein-Saal“ eröffnet, als Architekten hatte man den Baurat Schwechten gewonnen. Die Eröffnung wird mit einem dreitägigen Musikfest gefeiert, es spielen u.a. Hans von Bülow, Johannes Brahms und Anton Rubinstein. C. Bechstein setzt Maßstäbe für die höchste Klavierbaukunst und erobert internationale Konzertbühnen.
1897: In Berlin Kreuzberg entsteht eine dritte Fertigungsstätte.
1900: Carl Bechstein stirbt, seine einzigartige Lebensleistung überdauert mühelos die nachfolgenden Generationen. Seine Söhne Edwin, Carl und Johannes übernehmen die Leitung der Geschäfte.
1901: Die prachtvolle Bechstein Hall in der Londoner Wigmore Street bietet Platz für 500 Zuhörer, es kommen jährlich 300 Konzerte zur Aufführung. Nach der Enteignung im zweiten Weltkrieg heißt sie Wigmore Hall.
1903: Im Jahr des fünfzigjährigen Firmenjubiläums bauen 800 Bechstein Mitarbeiter 4.500 Instrumente. In der prestigeträchtigen Pariser 334 St. Honoré entsteht eine Bechstein Niederlassung.
Der herkömmliche Aufbau einer Symphonie, der sich mit der Zeit immer wieder entwickelte und veränderte, begeisterte Meister wie Gustav Mahler und Dmitri Schostakovich. Auch Igor Stravinsky experimentierte Zeit seines langen Lebens mit musikalischen und instrumentalen Ideen.
1919: 1.100 Angestellte bauen 5.000 Bechstein Instrumente. Die Inflation beeinträchtigt den Markt. 1920 kostet ein Flügel Modell V schon 25.000 Reichsmark. Die Kunden haben kein Geld, also stellt Bechstein ihnen seine Produkte erst einmal so ins Haus. Familienzwistigkeiten bei Bechstein nehmen zu.
1923: In diesem Jahr wird C. Bechstein in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Export in wichtige Länder stagniert angesichts der hohen Zölle und Steuern bzw. Einfuhrverboten. 1928 erklärt das berühmte Kaufhaus Wanamaker, daß es sich geehrt fühlt, Bechsteinflügel in New York vertreten zu dürfen. Das Luftschiff „Graf Zeppelin” sowie namhafte Kreuzfahrtschiffe werden mit Bechstein-Flügeln ausgestattet. Bechstein präsentiert sich auf der Weltausstellung in Barcelona, aber den Kunden fehlt es an den nötigen finanziellen Mitteln.
1930: Bechstein – immer schon ein innovatives Unternehmen – arbeitet mit Nobelpreisträgern zusammen, um die Möglichkeiten des Klavierbaus zu erweitern. Zusammen mit Siemens und Walther Nernst entsteht der Neo Bechstein, Vorfahre des so genannten Silent Systems eines asiatischen Herstellers.
1932: Angesichts der Weltwirtschaftskrise, eines starken Preisverfalls sowie eines Rückgangs der Produktionszahlen und Familienstreitigkeiten erschüttern schwere Finanzkrisen die Firma. Wachsende Deutschfeindlichkeit beeinträchtigt die Firmenaktivitäten. Mit der rücksichtslosen Vertreibung und Ermordung jüdischer Bürger durch die Nationalsozialisten verliert gerade Bechstein einen großen Teil seiner potentiellen Käufer. Der „Bechstein“ war in den Familien des wohlhabenden jüdischen Bildungsbürgertums eines der bevorzugten Instrumente.
1945: Im zweiten Weltkrieg wurden die Produktionsanlagen weitgehend und möglicherweise gezielt zerstört. Unter der alliierten Militärverwaltung liegt Bechstein im amerikanischen Sektor. Die US-Administration beschlagnahmt das Unternehmen; erst 1951 wird die amerikanische Treuhänderschaft aufgehoben.
Die Protestbewegung der Sechziger Jahre gegen die Musik der Vietnamkriegära hat die amerikanische Kultur erheblich beeinflußt. Die Texte der Rocksongs befassen sich mit Widerstand, Gesellschaftskritik, Sex und zunehmend Drogen.
1953: Unter Wilhelm Furtwängler und Wilhelm Backhaus feiert Bechstein in der Berliner Philharmonie seinen hundertsten Geburtstag. Berühmte Künstler bevorzugen Bechstein: Sergiu Celibidache, Leonard Bernstein, Jorge Bolet, Wilhelm Kempff .
1954: Im geteilten Berlin fehlt es an qualifizierten Arbeitskräften. Folgerichtig entstehen im süddeutschen Karlsruhe und Eschelbronn neue Bechstein Produktionsstätten, dennoch übersteigt die Jahresproduktion 1000 Instrumente nicht. Das Unternehmen wird von Amerika aus ferngesteuert, die deutschen Verbraucher werden systematisch auf amerikanische Produkte ausgerichtet. Die Bedingungen für einen Neubeginn der C. Bechstein AG hätten kaum ungünstiger sein können.
1963: Der amerikanische Baldwin Konzert übernimmt die Bechstein Anteile. Über Jahrzehnte fehlt es dem Unternehmen Bechstein an unternehmerischem Engagement und konsequenter Marktbearbeitung.
Ein weiterer großer Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts ist der amerikanische Komponist Leonard Bernstein. Als Pianist und Dirigent ist er ein erklärter Bechsteinanhänger. Er ist der erste US-amerikanische Dirigent mit Weltruhm, Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Er moderiert die bekannten Young People's Concerts – nicht zu vergessen seine eigenen vielschichtigen Kompositionen wie die West Side Story und Candide.
1978: Das 125. Firmenjubiläum wird mit Shura Cherkassy, Christian Zacharias, Alfons and Aloys Kontarsky begangen. Viele Jazz Pianisten sind von Bechstein begeistert.
1986: Dem bürgerlichen Werteverfall geschuldet, kämpft der europäischen Flügelabsatz mit Konjunkturproblemen. Der 38jährige Karl Schulze, Klavierbaumeister und Unternehmer kauft Baldwin die Berliner Traditionsmarke ab. Das Konzept greift, die Reorganisation des Unternehmens gelingt innerhalb kurzer Zeit, Bechstein soll bleiben, was es in aller Welt von jeher war: ein Name mit „Klang von Rang" als integraler Bestandteil universaler Klangkultur.
1988: Bechstein eröffnet in Kreuzberg eine neue Produktionsstätte. Die Marken W. Hoffmann und Euterpe werden zugekauft. Der Fall der Berliner Mauer im Spätherbst 1989 läutet ein neues Zeitalter mit unerwartet harten wirtschaftlichen Bedingungen ein. Die Klavierproduktion sinkt weltweit um 40%.
Vieles aus den Avantgarde-Techniken der großen Komponisten des 20. Jahrhunderts wird später in der Pop Musik übernommen. Die Beatles, Pink Floyd oder die Rolling Stones ziehen die Massen an. Oft entstehen die Kompositionen an einem Bechstein.
1992: C. Bechstein erwirbt die „Sächsische Pianofortefabrik” in Seifhennersdorf/Sachsen (Deutschland). Innerhalb der folgenden Jahre wird diese Produktionsstätte mit einem Investment von über 15 Mio. Euro zu einer der spektakulärsten Qualitätsmanufakturen von Flügeln und Klavieren ausgebaut – mit einer einzigartigen Verknüpfung modernster, computergesteuerter Werkzeuge.
1996: C. Bechstein wandelt sich erneut in eine Aktiengesellschaft und sichert so generationsübergreifende Kontinuität und Wettbewerbsfähigkeit in einer zunehmend globalisierten Welt. C. Bechstein bleibt auch in kommenden Partnerschaften und Allianzen ein deutsches Unternehmen mit Verantwortung für die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung einer großen Marke.
1999: Zwischen 1999 und 2006 eröffnet C. Bechstein acht repräsentative deutsche Auswahlcentren für alle Modelle und Marken, für Kulturaktivitäten und Verkauf in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Tübingen (bei Stuttgart), Münster, Hannover and Hamburg (Herbst 2006). Ein weiteres großes Centrum für BENELUX entsteht in Woerden (Niederlande).
Bechstein Instrumente spielten in der Pop-Musik des 20. Jahrhunderts eine heutzutage oft vergessene Rolle. Der Bechstein Flügel der Trident Studios in London zum Beispiel hat eine besondere Geschichte: die Beatles benutzten ihn für die Aufnahme von Hey Jude und der meisten Titel ihres Albums White. Auch Elton John, David Bowie und Freddie Mercury spielten auf diesem Instrument.
2003: Nach umfassenden und sorgsamen Erwägungen für die Zukunftsplanung des Unternehmens wird eine Partnerschaft in Form eines gegenseitigen Investments mit dem koreanischen Musikinstrumentenhersteller Samick eingegangen. Mit diesem strategischen Schritt eröffnen sich attraktive Synergieeffekte in Bezug auf die C. Bechstein Vermarktung in Übersee sowie eine Erweiterung der Markenpalette. In Seoul/Korea eröffnet ein weiteres C. Bechstein Centrum, weitere Centren in Asien/Australien und den USA werden realisierbar.
2004: Innerhalb der erfolgreichen Kapitalerhöhung von 2004 bis Juli 2005 reduziert sich in gegenseitiger Übereinstimmung der Samickanteil auf 39%, was zu einer verbesserten Handelbarkeit der Aktien führt.
2005: Ein Bechstein-Samick joint venture wird in Shanghai/China eröffnet. Diese neue Produktionsstätte ‘Berlin Bechstein Piano (Shanghai) Co., Ltd.’ in Shanghai/Pudong baut Klaviere speziell für den attraktiven Chinesischen Markt. Der Exportanteil ist gegenüber dem Vorjahr von 30% auf 50% gewachsen.
2006: Das Vorstandsehepaar Küpper/Schulze übernimmt mehr als die Hälfte der Anteile von Samick an Bechstein. Im Geschäftsjahr 2006 werden im Umsatz mit 6% und im Jahresüberschuss mit 26% wiederum deutliche Steigerungen gegenüber den Vorjahresergebnissen erzielt. Mit einem Jahresüberschuss von 1,5 Millionen Euro nach Steuern ist eine Umsatzrendite von mehr als 5% erreicht.
2007: Nach mehrjähriger Zusammenarbeit werden die Gesellschafteranteile am tschechischen Klavier- und Flügelhersteller Bohemia übernommen. Fortan vervollständigt „C. Bechstein Europe“ mit den Produkten dieser hundertprozentigen Tochtergesellschaft die Angebotspalette von C. Bechstein.
Kiew: Im noblen Villenviertel nahe dem berühmten Pecherska-Lavra-Kloster eröffnet der C. Bechstein Partner „Lysoform“ einen eleganten Bechstein-Salon. Zur Eröffnung kommen sämtliche Würdenträger aus dem Musikhochschulbereich sowie aus der kulturpolitischen Szene. Adresse: JSC Lysoform, Panfilovcev 15, Kiev (Ukraine) Tel. 0038/44 20 276 75.
New York: Zwischen Metropolitan Opera und Carnegie Hall eröffnet in der 207 West 58th St. das New Yorker C. Bechstein Centrum. Als erste USA-Dependance ist das New Yorker Centrum Schaltstelle für die Betreuung des amerikanischen und kanadischen Marktes sowie Ort für anspruchsvolle Konzertveranstaltungen. Adresse: 207 West 58th St, 10019 New York, NY. Tel. 001/212-581 5550.
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